Wie lassen sich Kohlenhydrate zählen wenn man mit Diabetes lebt?
Beim Kohlenhydratzählen werden zunächst kohlenhydrathaltige Lebensmittel und Getränke erkannt. Anschließend wird ihr Kohlenhydratgehalt auf die tatsächlich verzehrte Portion umgerechnet und für die gesamte Mahlzeit addiert.
Kohlenhydrate in 4 Schritten zählen
Die Grundmethode bleibt gleich: erkennen, Menge bestimmen, auf die Portion umrechnen und anschließend addieren. Wie diese Information im Diabetesmanagement genutzt wird, hängt von der individuellen Behandlung ab.
Die Deutsche Diabetes Gesellschaft (DDG) betont, dass Ernährungsempfehlungen bei Diabetes individuell an die jeweilige Situation und Therapie angepasst werden sollten. Nährwertangaben sollten dabei stets auf die tatsächlich verzehrte Menge bezogen werden. DDG-Empfehlungen ansehen →
Erkennen
Erkennen Sie auf dem Teller die Lebensmittel und Getränke, die Kohlenhydrate enthalten.
Kohlenhydratgehalt ermitteln
Nutzen Sie die Nährwertkennzeichnung, eine verlässliche Nährwertdatenbank oder eine andere seriöse Quelle.
Auf die Portion umrechnen
Ein Wert pro 100 g muss auf die tatsächlich verzehrte Menge umgerechnet werden.
Addieren
Addieren Sie die Kohlenhydrate aller relevanten Lebensmittel und Getränke der Mahlzeit.
Welche Lebensmittel sollte man besonders beachten?
Kohlenhydrate kommen in vielen Lebensmittelgruppen vor. Deshalb reicht es nicht, nur auf süß schmeckende Produkte zu achten.
Brot und Getreideprodukte
Brot, Baguette, Frühstückscerealien, Grieß und andere Getreideprodukte können einen großen Teil der Kohlenhydrate einer Mahlzeit liefern.
Reis, Nudeln und stärkehaltige Beilagen
Bei Reis, Nudeln, Kartoffeln und anderen stärkehaltigen Beilagen sollten Portionsgröße sowie der rohe oder gegarte Zustand berücksichtigt werden.
Obst
Obst enthält von Natur aus Kohlenhydrate. Die Menge variiert je nach Obstsorte und verzehrter Portion.
Hülsenfrüchte
Linsen, Kichererbsen, getrocknete Bohnen und andere Hülsenfrüchte tragen ebenfalls zur Kohlenhydratmenge der Mahlzeit bei.
Milch und bestimmte Milchprodukte
Milch enthält Kohlenhydrate. Gesüßte Milchprodukte können je nach Zusammensetzung deutlich mehr enthalten.
Desserts und Getränke
Gebäck, Kekse, Süßwaren, Limonaden und andere zuckerhaltige Getränke müssen ebenfalls in die Gesamtmenge einbezogen werden.
Nährwertangaben richtig lesen
Bei verpackten Lebensmitteln ist die Zeile Kohlenhydrate in der Nährwerttabelle entscheidend. Rechnen Sie diesen Wert anschließend auf die Menge um, die Sie tatsächlich essen.
Die Angabe davon Zucker ist nur ein Teil der gesamten Kohlenhydrate und ersetzt nicht die Angabe „Kohlenhydrate“.
Die Werte sind frei gewählt und dienen ausschließlich dazu, das Lesen einer Nährwerttabelle zu erklären.
Kohlenhydrate Ihrer Portion berechnen
Wenn die Nährwertangabe Kohlenhydrate pro 100 g ausweist, können Sie Ihre Portion mit folgender Formel berechnen.
Typ-1- und Typ-2-Diabetes: Kohlenhydratzählen hat nicht immer dieselbe Bedeutung
Eine pauschale Regel für alle Menschen mit Diabetes wäre nicht sinnvoll. Ziele und Vorgehen hängen unter anderem von der Therapie, der Diabetesschulung und der persönlichen Situation ab.
Typ-1-Diabetes
Bei bestimmten Insulintherapien, etwa Basis-Bolus-Therapie oder Insulinpumpe, kann das Kohlenhydratzählen Bestandteil der Schulung sein, um Mahlzeiten im Rahmen des individuellen Therapieplans zu berücksichtigen.
- Die Schulung sollte individuell erfolgen.
- Individuelle Faktoren oder Kohlenhydratfaktoren werden gemeinsam mit dem Behandlungsteam festgelegt.
- Eine Nährwertschätzung darf diese persönlichen Therapieanweisungen nicht ersetzen.
Typ-2-Diabetes
Zu wissen, welche Lebensmittel Kohlenhydrate enthalten und wie groß die Portionen sind, kann helfen, Mahlzeiten besser einzuschätzen.
- Der Ernährungsbedarf ist individuell.
- Ein detailliertes Kohlenhydratzählen wird nicht bei jeder Person in gleicher Weise eingesetzt.
- Ärztliche oder ernährungstherapeutische Fachkräfte können passende individuelle Orientierung geben.
Situationen, in denen das Zählen schwieriger wird
Zu Hause mit einer Waage ist die Berechnung oft recht einfach. Im Alltag sind Portionsgrößen und Rezepte jedoch nicht immer bekannt.
Restaurant
Das Gewicht der Beilage, die Zutaten einer Sauce oder das vollständige Rezept sind häufig nicht bekannt.
Zusammengesetzte Gerichte
Couscous, Pizza, Paella, Curry oder Familiengerichte enthalten mehrere Zutaten, die sich auf einem Foto oder Teller nicht immer eindeutig voneinander trennen lassen.
Essen bei Familie oder Freunden
Rezept und Mengen können unbekannt sein, auch wenn die wichtigsten Lebensmittel erkennbar sind.
Wie Glu-Scan helfen kann, wenn Mengen unbekannt sind
Glu-Scan kann ein Foto der Mahlzeit analysieren und eine Nährwertschätzung liefern, wenn das genaue Gewicht oder vollständige Rezeptangaben fehlen.
- Fotografieren Sie den gesamten Teller.
- Die KI analysiert die sichtbaren Lebensmittel.
- Sie schätzt die Portionsgrößen anhand des Bildes.
- Anschließend wird eine Schätzung der Kohlenhydrate ausgegeben.
- Auch Kalorien, Eiweiß und Fett können geschätzt werden.
4 häufige Fehler, die Sie vermeiden sollten
Für die Berechnung ist in erster Linie die Angabe „Kohlenhydrate“ relevant. Dieser Wert muss auf die tatsächlich verzehrte Portion umgerechnet werden.
Ein Wert pro 100 g entspricht nicht automatisch der Menge auf Ihrem Teller. Das tatsächlich verzehrte Gewicht verändert das Ergebnis.
Bei Reis, Nudeln und anderen Lebensmitteln sollte der Nährwert zum Zustand passen, in dem das Lebensmittel gewogen wurde – roh oder gegart.
Aus einem Foto lassen sich Gewicht, Rezept, Saucen oder nicht sichtbare Zutaten nicht mit Sicherheit bestimmen.
Wichtig bei Entscheidungen zu Insulin oder Medikamenten
Das Kohlenhydratzählen kann bei bestimmten Therapiekonzepten eine Rolle spielen. Die Therapieparameter sind jedoch individuell. Glu-Scan berechnet und empfiehlt keine Insulin- oder Medikamentendosis.
Schätzwerte von Glu-Scan dürfen nicht allein als Grundlage für Therapieentscheidungen dienen. Wie Sie das Kohlenhydratzählen in Ihrer Behandlung einsetzen, sollte mit Ihrem Diabetesteam, Ihrer Ärztin oder Ihrem Arzt beziehungsweise einer qualifizierten Ernährungsfachkraft abgestimmt werden.
Weitere Ratgeber
Nutzen Sie die Glu-Scan-Ratgeber je nach Bedarf: allgemeine Berechnungsmethode, Lebensmittelwerte, Fotoanalyse oder Mahlzeiten außer Haus.
Wie berechnet man die Kohlenhydrate einer Mahlzeit?
Hier finden Sie die vollständige Methode, um die Kohlenhydrate mehrerer Lebensmittel auf einem Teller zu berechnen.
Ratgeber lesen →Kohlenhydrattabelle für Lebensmittel
Nutzen Sie Richtwerte pro 100 g und rechnen Sie diese auf die tatsächlich verzehrte Portion um.
Tabelle ansehen →Kohlenhydrate per Foto schätzen
Erfahren Sie, wie ein Foto bei unbekannten Mengen eine Nährwertschätzung unterstützen kann.
Ratgeber lesen →Kohlenhydrate im Restaurant schätzen
Unbekannte Portionen, komplexe Rezepte und Saucen: Darauf sollten Sie beim Essen außer Haus achten.
Ratgeber lesen →Welche App eignet sich zum Kohlenhydratzählen?
Erfahren Sie, worauf Sie bei einer App zum Kohlenhydratzählen achten können und wie die Fotoanalyse funktioniert.
Ratgeber lesen →Welche App kann bei Typ-1-Diabetes und Mahlzeiten unterstützen?
Erfahren Sie, wie eine Ernährungs-App bei der Schätzung von Kohlenhydraten unterstützen kann, ohne ein medizinisches Monitoring-Tool zu ersetzen.
Typ-1-Ratgeber ansehen →Kohlenhydrate in Couscous schätzen
Grieß, Kichererbsen, Gemüse und Portionsgröße: Diese Faktoren beeinflussen die Gesamtmenge.
Ratgeber lesen →Fachliche Quellen
Diese Seite dient der allgemeinen Information. Individuelle Empfehlungen bei Diabetes sollten mit qualifizierten Gesundheitsfachkräften abgestimmt werden.
Leitlinien und Praxisempfehlungen zur Behandlung und Ernährung bei Diabetes, einschließlich individueller Therapie- und Ernährungsberatung.
DDG-Leitlinien und Praxisempfehlungen →Informations zum Kohlenhydratzählen, insbesondere für Menschen, bei denen es Bestandteil der Insulintherapie ist.
Informationen zum Carb Counting →Häufige Fragen
Warum werden Kohlenhydrate bei Diabetes gezählt?
Die Kohlenhydratmenge einer Mahlzeit zu kennen, kann helfen, die Zusammensetzung der Ernährung und mögliche Auswirkungen auf den Blutzucker besser zu verstehen. Wie das Zählen praktisch genutzt wird, hängt vom Diabetestyp, der Therapie und den Empfehlungen des Behandlungsteams ab.
Wie zählt man die Kohlenhydrate einer Mahlzeit?
Ermitteln Sie kohlenhydrathaltige Lebensmittel und Getränke, bestimmen Sie deren Kohlenhydratgehalt, rechnen Sie ihn auf die tatsächlich verzehrte Portion um und addieren Sie anschließend die einzelnen Werte.
Ist auf „Kohlenhydrate“ oder auf „davon Zucker“ zu achten?
Für die gesamte Kohlenhydratmenge ist die Zeile „Kohlenhydrate“ maßgeblich und auf die eigene Portion umzurechnen. „Davon Zucker“ bezeichnet nur einen Teil der Kohlenhydrate.
Wird bei Typ-1- und Typ-2-Diabetes gleich gezählt?
Nein. Ziele und praktische Anwendung können sich je nach Therapie und persönlicher Situation unterscheiden. Ihr Behandlungsteam kann Ihnen eine passende Vorgehensweise vermitteln.
Kann man Kohlenhydrate ohne Waage zählen?
Eine Schätzung ist mithilfe von Portionsangaben, Nährwertinformationen oder einer Fotoanalyse möglich. Ohne exaktes Gewicht oder vollständiges Rezept bleibt das Ergebnis jedoch eine Schätzung.
Welche App kann beim Kohlenhydratzählen bei Typ-1-Diabetes helfen?
Eine Ernährungs-App kann dabei helfen, Kohlenhydrate einer Mahlzeit zu schätzen oder zu erfassen. Glu-Scan konzentriert sich auf diesen Ernährungsbereich: Foto oder Beschreibung der Mahlzeit sowie Schätzung von Kohlenhydraten, Kalorien, Eiweiß und Fett. Die App ersetzt weder ein Glukosemesssystem noch eine Insulinpumpe oder die Betreuung durch das Behandlungsteam. Weitere Informationen finden Sie in unserem Ratgeber zur App bei Typ-1-Diabetes .
Kann Glu-Scan eine Insulindosis berechnen?
Nein. Glu-Scan liefert Nährwertschätzungen. Die App berechnet oder empfiehlt keine Insulin- oder Medikamentendosis und ersetzt nicht die individuellen Vorgaben des Behandlungsteams.
Sie möchten eine Mahlzeit ohne Waage einschätzen?
Fotografieren Sie Ihren Teller mit Glu-Scan, um Kohlenhydrate, Kalorien, Eiweiß und Fett schätzen zu lassen. Nutzen Sie das Ergebnis als Orientierung für die Ernährung – nicht als exakte Messung und nicht zur Berechnung einer Therapie.